Im Gedenken
Franz Holländer 1904-1985

Vor 25 Jahren, am 23. April 1985, verstarb in Lüneburg unser unvergessener Genosse Franz Holländer. Franz Holländer hat sich große Verdienste um die Kommunistische Partei und die antifaschistische Aufklärungsarbeit in Lüneburg erworben. Letztere lag ihm als Naziverfolgten besonders am Herzen. Neben Funktionen in der Partei, war Franz auch viele Jahre Vorsitzender der Kreisvereinigung der VVN/Bund der Antifaschisten und zuletzt deren Ehrenvorsitzender.

Franz Holländer wurde am 13. Januar 1904 in Hoerde, heute ein Stadtteil von Dortmund, in einer Arbeiterfamilie geboren. Mitte der 1920er Jahre kam er mit seinen Brüdern auf der Arbeitssuche nach Lüneburg. 1925 trat Franz hier der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Er wurde schnell zu einem Aktivposten der Partei.

1933, bei der letzten Kommunalwahl bereits unter der faschistischen Diktatur, wurde Franz Holländer für die KPD in den Rat der Stadt Lüneburg gewählt. Dieses Mandat konnte er dann nicht mehr wahrnehmen. Franz Holländer wurde sofort von den Nazis verhaftet und eingekerkert. Die gesamte Zeit der Herrschaft der Faschisten verbrachte Franz in Zuchthäusern und Konzentrationslagern.

Nach der Befreiung vom Faschismus wurde Franz sofort wieder in der KPD aktiv. Franz baute als Kreissekretär die Parteiorganisation in Lüchow-Dannenberg auf. Danach war er wieder in Lüneburg aktiv. Franz wurde erneut wegen seiner politischen Gesinnung verfolgt und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Mit Beginn des Kalten Krieges wurden in der freiheitlich-demokratischen Bundesrepublik Deutschland die verurteilten Nazi- und Kriegsverbrecher aus den Gefängnissen entlassen, konnten ihre kurzfristig unterbrochenen Karrieren fortsetzen und wurde zu Honoratioren dieses Staates. Kommunisten, die schon unter den Nazis verfolgt und inhaftiert wurden, wurden für ihre Gesinnung erneut der strafrechtlichen Verfolgung ausgesetzt und ins Gefängnis gesperrt.

Die KPD war nicht nur die Hauptkraft im Kampf gegen den Hitlerfaschismus, sie war auch die Hauptkraft im Kampf gegen die Remilitarisierung der Bundesrepublik und die Restaurierung der alten Machtverhältnisse. Deswegen beantragte die Adenauer-Regierung bereits 1951 das Verbot der KPD. Gleichzeitig mit diesem Verbotsantrag wurden der Partei nahestehende Organisationen sowie solche, die als kommunistisch unterwandert diffamiert wurden, von den Landesregierungen verboten. In einigen Bundesländern wurde sogar die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) verboten. Obwohl die KPD noch legal war, wurde ihre Tätigkeit massiv behindert.

Ebenfalls 1951 wurden mit dem 1. Strafrechtsänderungsgesetz an einzelnen Landgerichten politische Sonderstrafkammern installiert. Auch beim Landgericht Lüneburg wurde ein solches politisches Sondergericht tätig, die 4. Strafkammer. Diese 4. Strafkammer in Lüneburg wurde im In- und Ausland berühmt und berüchtigt. Zum Einen, weil hier in Lüneburg besonders drakonische Strafen verhängt wurden, zum anderen weil hier sowohl als Staatsanwälte als auch als Richter Juristen wirkten, die schon in der Nazijustiz an politischen Sondergerichten tätig gewesen waren.

Franz Holländer und seine Ehefrau Emmy engagierten sich in dieser Zeit besonders in der Solidaritätsarbeit für die hier Angeklagten und ihre Familien. 1956 erfolgte das Verbot der Partei durch das sogenannte Bundesverfassungsgericht. Die KPD musste in die Illegalität gehen.

Auch in dieser schweren Zeit blieb Franz Holländer weiterhin politisch als Kommunist aktiv. Der Schwerpunkt seiner politischen Tätigkeit lag nun in der Arbeit für die VVN.

Nachdem sich 1968 die Deutsche Kommunistische Partei neukonstituierte, übernahm Franz Holländer die Initiative zur Bildung der Lüneburger Parteiorganisation. Am 14. Januar 1969 erfolgte mit einer Versammlung in der Gaststätte "Drei Linden" an der Hindenburgstraße, nach ihrem Gastwirt im Volksmund "bei Bardowicks" genannt, die Bildung der Lüneburger Parteiorganisation der DKP. Franz Holländer wurde zum Vorsitzenden, Adolf Hellmut und Helmut Kuhnt zu seinen Stellvertretern gewählt. Neben den drei genannten, waren an der Bildung der ersten legalen Parteiorganisation in Lüneburg seit dem KPD-Verbot beteiligt: Wilhelm Rechlin, Dora Kasten, Emmi Holländer, Margret Endler, Hein Endler, Erich Fischer, Rosa Scheberis, Horst Scheberis, Wolfgang Richteweg, Otto Grävenitz, Peter Bock, Bernhard Jäger, Franz Kaeding, Ludwig Meurer, Herbert Nilson, Hermann Buck und Luise Wahmke.

Bis ins hohe Alter war Franz in der Öffentlichkeit politisch präsent. Samstag für Samstag, bei Wind und Wetter, verkaufte er in der Bäckerstrasse kommunistische und andere fortschrittliche Zeitungen, sammelte Unterschriften und wich keiner Diskussion aus. Bei allen gegen Alt- und Neonazis gerichteten Aktivitäten war Franz Holländer dabei und stand insbesondere jungen Mensche Rede und Antwort.

Auf das Leben unseres Genossen Franz Holländer treffen die Worte Bertolt Brechts zu:

Die Schwachen kämpfen nicht.
Die Stärkeren kämpfen
vielleicht eine Stunde lang.
Die noch stärker sind,
kämpfen viele Jahre.
Aber die Stärksten kämpfen
ihr Leben lang.
Diese sind unentbehrlich.

Cornelius Kaal

Franz Holländer bei einer Rede zum 30. Jahrestag der Befreiung im Jahre 1975.

Foto: Archiv


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